Ich vermiss dä Boris Jelzin

Simer ehrlich… d’Welt isch schomal chli cooler druff gsi als aktuell grad. Sit afang Jahr sind diversi Krieg usbroche, im eigene Land werde mer vo diverse Unglück heimgsuächt, für dä Klimawandel hämer ebefalls no kei Lösig gfunde und zu allem Übel hät dä Chuck Norris no s’Zietlichi gsegnet. Jede Morge, wenn ich ufwache und zum Morgekaffi Nachrichte-Websietene durescroll, liesst mer ä neui negativ Nachricht. Und ich weiss ned, wiä’s dir debi gaht. Aber ich ha dänn vor allem ein Gedanke: Ich cha nüt mache. Ich liess so öpis wiä «Krieg isch imfall mega schädlich für s’Klima*» und cha nüt dagege mache… Usser druff hoffe, dass d’Kriegsparteie sich schnell wieder einig werdet und Friede ikehrt. Dänn luegsch aber, wer da i dä Entscheidigsposition isch und denksch, dass es wahrschienlicher isch, dass Grönland Teil vo dä USA wird.

Ich weiss ehrlich gseit ned, ob d’Welt früähner würklich viel ruhiger gsi isch, oder ob mer hüt eifach schneller informierter sind als früähner. Und ob «Grenze setze» öpis isch, was ich in Sache Mediekonsum neu lerne muäss. Will natürlich isch es eifach z’säge, dass «früähner alles besser (bzw. ruhiger) gsi isch». Da aber d’Ziet ä Linie und kein crazy Kreisel isch, dä Mal munter zrugg is Jahr 1997 gumpt voll mit Nintendo 64 Action und Bill Clinton & Boris Jelzin Bromance… wird diä Informationsfluät bliebe. Diä Ungwüssheit, wiä es wieter gaht und ob das alles «Guet» Ende wird, wird bliebe. Und das Gfühl vo Machtlosigkeit dem gange gegenüber wird ebefalls bliebe.

Das Einzigi, was würklich i minere Macht liegt, isch min Umgang damit.

Und da verstah ich Leut, diä am Eskapismus verfallet und gar kei Nachrichte meh konsumieret. Oder diä sich Politik überdrüssig sind und säget, dass schlussendlich eh immer das passiere wird, was «diä Mächtige det obe» möchtet. Diä meiste (viellicht sogar alli) händ ja au en Spruch i ihrne Büächer stah, dass mer «d’Kraft suächt, Sache z’akzeptiere, diä mer ned verändere cha». Wobie mer dafür kei Religion brucht, da diä gern und oft zur Legitimation vo Krieg gnutzt wird. Will mer sich damit als „diä Guäte“ inszeniert (wiä mer idrücklich ahand vo däm Biespiel da gseht).

Schlussendlich gaht’s um was anderes. Ä Frag, diä mich i däre Wuchä Umtriebe hät und diä au dä Grund isch, dä mich dazuä verleit hät, da häre z’sitze und diä Gedanke abe z’schriebe:

Was bringt dir Friede?

Also das Gfühl vo Ruäh, Geborgeheit und viellicht sogar es bitzli Zuäversicht. Das «es isch OK», will mer sich uf sin eigene Mikrokosmos fokussiert und i däm sis Glück findet. Da findet ja jede sini eigeni Antwort druff, wenn mer sich mal d’Ziet und Ruäh nimmt, um das bewusst wahr z’näh. Und wenn mer das wieder weiss, sich i däm Strom vo Neuigkeite, Ohnmacht und Schnelllebigkeit meh dafür entscheidet, sini Prioritäte nach däm z’setze, was dä Friede bringt.

Ich, für min Teil, wird wieder versuäche, meh so Gedanke abe z’schriebe. Will was us mim Kopf dusse und nieder gschriebe isch, git mir Ruäh. Und ich wird versuäche, weniger Ziet am Bildschirm z’verbringe. Will eigentlich weiss mer scho lang, dass das ned diä gsündisti Art zum Ziet verbringe isch.

Will ganz ehrlich… Au wenn d’Welt um eus ume unruhiger, kriegerischer und chaotischer isch denn je (also sit ich uf dä Welt bin). Wiä ich mini eigeni Welt gstalte, ha ich immerno i dä eigene Hand. Und wenn dä Moment chunt, a däm ich mitentscheide cha, wird ich dä ned verpasse (*hust* 14. Juni 2026 *hust*). Schlussendlich isch das s’einzig würklich Sinnvolli, was ich cha mache.


PS 1: No meh „Best of Boris Jelzin“? There you go

PS 2: Ich weiss… au dä Boris Jelzin hät (wahrschienlich) es Alkoholproblem kah und das isch au „eines Staatsmannes nicht würdig“. Aber ganz ehrlich: es isch mir trotzdem sympathischer als diä aktuelle Staatsoberhäupter.

PS 3: Cha guet si, das ich in 2-3 Jahr dä Text nomal liess und denke „Stimmt… diä Vorsätz ha ich mal wieder g’fasst…“. Wenn dem so isch: Liebe Zuäkunfts-Andy: „Auf ein Neues!“ Dasmal klappts… bestimmt!